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Die richtige Dauer des Arbeitstages

Eine Arbeitswoche bei Vollzeit-Erwerbstätigen dauert in der Schweiz länger als im europäischen Durchschnitt (CH: 42 Stunden pro Woche vs. EU-27: 39 Stunden pro Woche). Andererseits ist der Anteil an Teilzeitarbeit deutlich grösser als im europäischen Durchschnitt. Die Auswertung der EWCS 2015 Befragung (European Working Conditions Survey EWCS) zeigt, dass ein hoher Anteil der Mitarbeitenden regelmässig über 10 Stunden pro Tag arbeitet.

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Was wäre die richtige Dauer eines Arbeitstages? Eine Australische Studie der National University berechnete eine mittlere gesundheitserhaltende Wochenarbeitszeit von 28-43.5 Stunden. Schön wäre es, wenn wir die richtige Dauer des Arbeitstages so einfach festlegen könnten. Jedoch ist die individuelle Situation der Betroffenen (Situation Gesundheit, Haushaltsaufgaben…) und somit auch ihr Bedürfnis sehr unterschiedlich. 

Versucht man sich trotzdem dem Thema etwas zu nähern, so gibt es sicher objektivierbare Aspekte, wie z.B. die folgenden Einflüsse der Arbeitslänge auf:

  • die Unfallsituation
  • die Gesundheitssituation
  • Arbeitszufriedenheit
  • Produktivität

Unfallsituation

Hinsichtlich der Unfallsituation gibt es verschiedene Studien, die teils aus grossen Datenmengen heraus zeigen, dass das Unfallrisiko im Bereich zwischen 8 und 10 Stunden zu steigen beginnt. Der Oldenburger Arbeitswissenschaftler Friedhelm Nachreiner spricht gar von einer exponentiellen Zunahme bei einer Überschreitung eines 8 Stundentages.

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Grafiken: Relatives Unfallrisiko, Folkard & Lombardi, 2006  

Gesundheitssituation

Die unten aufgeführte Abbildung zeigt, dass auch hinsichtlich gesundheitlicher Beschwerden eine Zunahme bei langen Arbeitszeiten besteht, insbesondere bei den psychovegetativen Beschwerden zeigt sich bei einer Überschreitung von 44 Wochenarbeitsstunden eine signifikante Zunahme. Im Bereich der Herz-Kreislaufprobleme zeigt sich eine starke Zunahme, so ist das Herzinfarkt-Risiko bei 60 Wochenarbeitsstunden doppelt so hoch wie bei 40.

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Psychovegetative Beschwerden in Abhängigkeit von Arbeitszeit und Alter

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Arbeitszufriedenheit

Im Bereich der Arbeitszufriedenheit zeigen Studien, dass es am wenigsten Unzufriedene im Bereich einer wöchentlichen Arbeitsdauer von 35-39 Stunden gibt. Der Anteil unzufriedener Mitarbeitender nimmt dann mit der Arbeitszeit bis zu einer Wochenarbeitszeit von 50 Stunden zu und verbleibt danach bei einem Anteil von etwa 20%. Gleichzeitig beobachtet man jedoch auch bei Beschäftigten mit 30-35 Wochenstunden eine leicht geringere Zufriedenheit.

Produktivität

Relativ wenige Zahlen liegen zur Produktivität, also zum Output pro geleisteter Arbeitszeit vor. Die folgende Darstellung zeigt einen Produktivitätsvergleich zwischen OECD Ländern und setzt diesen der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit gegenüber. Damit lässt sich leider nicht schlüssig zeigen, dass mit zunehmender Arbeitsdauer die Produktivität nachlässt, erahnen lässt sich der Zusammenhang jedoch trotzdem.

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Fazit

Zum Thema optimale Tages- oder Wochen-Arbeitszeit gibt es eine Menge Wissen: langes Arbeiten erhöht die Unfallgefahr, vermindert die Produktivität, Zufriedenheit und Gesundheit der Einzelnen. Allerdings hapert es noch mit der Umsetzung, zeigt doch die EWCS-Studie, dass rund 40% der Vollzeitangestellten Männer in der Schweiz regelmässig über 10 Stunden pro Tag arbeiten.

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