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Resilienz: Schutz vor gesundheitsschädigendem Stress

M. ist IT-Projektleiter in einem grösseren Industriebetrieb. Er arbeitet an einem umfangreichen einjährigen Projekt - eine Softwareeinführung. Ein stark in das Projekt involvierter langjähriger Mitarbeiter verlässt den Betrieb. M. versichert, dass er das Projekt trotzdem termingerecht abschliessen wird. Drei Monate vor Projektabschluss kommt er öfter unrasiert und mit Augenringen zur Arbeit und ist nicht mehr in der Kaffeepause anzutreffen wie früher. Ausserdem arbeitet M. bis spät am Abend. Fragen zum Projektstand beantwortet er ausweichend. Am Tag, an dem er seinem Vorgesetzten den Projektstand präsentieren soll, meldet er sich bis auf Weiteres krank, mit Arztzeugnis, aber ohne genauere Informationen.

Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung erleben 18% der Erwerbstätigen oft oder immer Stress (Bundesamt für Statistik, 2014). Stress ist einer der Hauptrisikofaktoren für Burnout, aber auch ein wichtiger Einflussfaktor bei psychischen und physischen Erkrankungen. Der stressbedingte Produktivitäts- und Produktionsverlust in der Schweiz wird auf 5.6 Milliarden CHF geschätzt (Igic et al., 2014).

Geschätzte 50% der Schweizer Bevölkerung erleiden in ihrem Leben mindestens einmal eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung (Ajdacic-Gross & Graf, 2003). Bei diesen Zahlen liegt die Annahme nahe, dass praktisch jeder von uns – sei es als Betroffener, in der Familie, in der Freizeit oder bei der Arbeit – mit psychisch erkrankten Menschen konfrontiert ist oder sein wird.

Das Erkennen von Auffälligkeiten und Informationen über psychische Erkrankungen ermöglichen durch rechtzeitiges Handeln grösseren Krisen vorzubeugen betroffene Mitarbeitende frühzeitig zu unterstützen - damit es nicht so weit kommt wie im Beispiel oben! Wichtig ist, bei längerfristigen Veränderungen im Sinne von Leistungsschwankungen und Verhaltensänderungen die Möglichkeit einer beginnenden psychischen Erkrankung in Betracht zu ziehen (Hommelsen, 2006). Im Beispiel oben wären solche Auffälligkeiten Augenringe, fehlende Rasur, Meiden von Pausen, lange Arbeitszeiten.

Vorgesetzte gestalten einerseits massgeblich die Rahmenbedingungen der Arbeit und haben damit einen Einfluss auf Stressfaktoren. Andererseits kennen sie durch den täglichen Kontakt mit den Mitarbeitenden deren Verhalten und können es beurteilen. Deshalb spielen sie eine wichtige Rolle bei der Früherkennung. Dabei sollten die folgenden Grundsätze befolgt werden:

 

Illustration: Ein Auge  

Hinschauen

Der erste Schritt liegt in der Wahrnehmung von auffälligen Verhaltenänderungen. Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl! 
Verhaltensänderungen können nur wahrgenommen werden, wenn Sie den Mitarbeitenden seit einiger Zeit kennen und offen sind. Wer selbst gestresst ist, wird Mühe haben!
Leistungsveränderungen können durch regelmässige Besprechungen und Überprüfung der Arbeit wahrgenommen werden.

Illustration: Ein Mund

Ansprechen

Notieren Sie sich Ihre Beobachtungen und veranlassen Sie bald ein Gespräch mit dem Mitarbeitenden. Das frühe Ansprechen kann als Signal dienen, dass die Umgebung eine Veränderung wahrnimmt, auch wenn der Betroffene dies selbst noch nicht eingestehen kann. Beschreiben Sie das beobachtbare Verhalten anhand konkreter Beispiele. Bieten Sie Hilfe an. 
Achtung: Sie sind weder Arzt noch Therapeut. Ihre Einflussmöglichkeiten sind die Arbeitsorganisation und soziale Unterstützung.

Illustration: Ein Händedruck

Handeln

Sammeln Sie im Gespräch Lösungsmöglichkeiten und vereinbaren Sie klar, wer was bis wann macht.
Ziehen Sie Experten bei! Diese können eine Eskalation häufig verhindern und Sie im Umgang mit komplexen Fällen unterstützen. 
Gehandelt werden kann sowohl auf der Verhaltens- wie auch auf der Verhältnisebene. Einerseits kann der Mitarbeiter mit gezielten Angeboten seine Ressourcen aufbauen, andererseits sollte auch die Arbeitssituation geprüft und bei Bedarf angepasst werden.


Obwohl psychische Erkrankungen zunehmend enttabuisiert werden, fällt das Ansprechen den meisten Vorgesetzten, teilweise auch den Betroffenen selbst, schwer. Ein definierter Prozess Fehlzeitenmanagement kann den Vorgesetzten Orientierung und Unterstützung bieten. In unseren Führungsschulungen lernen Vorgesetzte zudem, wie sie bei solchen Gesprächen vorgehen können. Damit gewinnen sie Sicherheit beim Hinschauen, Ansprechen und Handeln und sind in der Lage, ihre Rolle bei Früherkennung und Prävention optimal wahrzunehmen.

Unser Angebot zu Fehlzeitenmanagement und Führungsschulungen finden Sie hier. Gerne informieren wir Sie persönlich über unser Angebot: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Definition Stress
Stress ist eine Reaktion des Körpers auf eine Belastung und entsteht, wenn zwischen den Anforderungen / Belastungen (Stressoren) und den vorhandenen Ressourcen ein Ungleichgewicht herrscht.

Definition Burnout (Wikipedia)
Ein Burnout-Syndrom (engl. burn out ‚ausbrennen‘) bzw. Ausgebranntsein ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit.
Das Burnout-Syndrom weist die folgenden drei Dimensionen auf:

  1. eine überwältigende Erschöpfung durch fehlende emotionale und physische Ressourcen (Energien) als persönlicher Aspekt,

  2. Gefühle des Zynismus und der Distanziertheit von der beruflichen Aufgabe als zwischenmenschlicher Aspekt und

  3. ein Gefühl der Wirkungslosigkeit – wegen mangelnder Ressourcen – und verminderter Leistungsfähigkeit als Aspekt der Selbstbewertung.

Literatur:

  • Bundesamt für Statistik (2014). Arbeit und Gesundheit. Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2012. Online: www.bfs.admin.ch.
  • Igic, I.; Keller, A.; Brunner, B.; Wieser, S.; Elfering, A.; Semmer, N. (2014). Job-Stress-Index 2014. Erhebung von Kennzahlen zu psychischer Gesundheit und Stress bei Erwerbstätigen in der Schweiz. Gesundheitsförderung Schweiz Arbeitspapier 26, Bern und Lausanne.
  • Ajdacic-Gross V., Graf M. (2003). Bestandesaufnahme und Daten zur psychiatrischen Epidemiologie in der Schweiz. Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium, Bundesamt für Statistik; 2003.
  • Hommelsen M. Psychisch krank im Job. Was tun? D-Essen: BKK Bundesverband und Familien-Sebsthilfe Psychiatrie; 2006.
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